Philosophie
Statement eines zahntechnischen Philosophen
Indizes | Patientenbedürfnisse, ästhetische Qualität, Akzeptanz der Versorgung, Arbeit mit dem Patienten, Freiheit für Energie, „Emotion of excellence“
| Einleitung | In der Zahnheilkunde werden für Patienten erbrachte Arbeiten einmalig in Rechnung gestellt und demzufolge auch nur einmal bezahlt. Hierfür kann das Verhältnis von Arbeitsaufwand und Wirkung als Wertmaß des Arbeitsergebnisses gelten! Das Rätsel von ästhetischer Qualität und Sicherheit wird gelöst, indem wir im ökonomischen Umgang mit den Materialien die Wünsche unserer Patienten realisieren. Mit einer gelungenen Arbeit werden keine Tantiemen erwirtschaftet! Diese Einleitung könnte aus einer Vorlesung entliehen sein, die alle Beteiligten vor kollektiver Schuld und Neurosen bewahren möchte.
| Meine und des Patienten Freiheit | Doch worum geht es tatsächlich, wenn wir erfolgreich sein wollen? FREIHEIT FREIHEIT FÜR ENERGIE Energie für soziale Notwendigkeit, Energie für das Produkt Zahnersatz, die wir investieren müssen gegen eine Mauer von Gesetzen, die den notwendigen Kontakt zwischen Patienten und Zahntechniker verhindern wollen.
In meinem Laboratorium ist die Durchsetzung dieser Arbeitsweise schon viele Jahre kein utopisches Flügelschlagen wehr, sondern die eindeutige Forderung unserer Kunden und Patienten. So bewege ich mich schon mehr als 30 Jahre auf des Messers Schneide. Beginnend Anfang der 70er Jahre mit einem klugen, einfühlsamen Zahnarzt, der nach kurzer Zeit unserer Zusammenarbeit (welche dann 17 Jahre dauern sollte) die allgemeine Fehlinterpretation des Wortes Zusammenarbeit erkannte. Zunächst hatte diese viel gelobte Kooperation auf räumlicher Ebene einen klaren trennenden Charakter. Sein Ansehen und mein Respekt vor seiner Arbeit, fixiert mit etablierten Klischees (Eindeutige Distanz zwischen Zahnarzt und Zahntechniker), ließen den Zahnarzt zu eine Kunstfigur reifen, die unbewusst schon in der Vorphase unserer Zusammenarbeit das Produkt Zahnersatz auf eine rein handwerkliche Modellhochglanzarbeit reduzierte. Die ästhetische Qualität des Einzelstückes blieb aus uns zunächst nicht zu durchschauenden Gründen auf der Strecke. Folgende Aspekte und Kriterien dirigierten unseren Erfolg: Zeit, Menge der Arbeiten, Geld und Bereitwilligkeit des Patienten, unsere „inakzeptable“ Arbeit zu akzeptieren. Das Argument „Funktion“ regierte das Team und degradierte zunehmend den uneinsichtigen Patienten mit seinem Wunsch nach schönen, als nicht künstlich anzusehenden Zahnersatz zu einem schwierigen Menschen, der die Qualität unserer Arbeit nicht erkannte.
| Der Weg zur Freiheit Phase 1 | In der ersten Phase kam es zum Erwachen des noch leicht verborgenen Wunsches, schöpferische, expressive Kräfte direkt und ohne Einschränkung für den Zahntechniker durch Stolpersteine und gesetzliche Vorschriften dem Patienten zukommen zu lassen.
| Phase 2 | Die zweite Phase war bestimmt vom Erkennen, welch ein ungeheurer Vorteil es ist, sich selbst korrigieren zu können, die Architektur einer Arbeit zu analysieren und ihr eine Richtung zu geben, schwärmerisch zu werden, Form, Farbe und Oberflächen zum Nutzen und der Freude des Patienten zu dirigieren.
| Phase 3 | Das Glück, welches sich wie folgt aufgliedert: Das Glück für den Schaffenden, nur durch Kontakt zum Patienten einmalige Individualität Realität werden zu lassen. Die Kopie eines einzelnen Frontzahnes in allen Aspekten nicht mehr von seinem Nebenzahn unterscheiden zu können. Das Glück für den Patienten, der schöpferische Kraft erlebt und sieht, wie nur aus Wasser und Pulver ein für ihn einmaliges Werk entsteht.
| Phase 4 | Auflösung der Ängste des Behandlers, für den es in de Vergangenheit die größte Herausforderung bedeutete, mit überzeugenden Argumenten, gekonntem Einsatz seiner Körpersprache und in der Rangordnung medizinischer Protektion die objektiv „inakzeptable“ Arbeit in ein für den Patienten subjektiv zufrieden stellendes Ergebnis zu verwandeln. Er erlebt nun die Wirkung, wie Freude und Glück einen Patienten schöner werden lassen.
| Phase 5 | Präzisierung einer Idee. Es gibt keine Chance für eine Umwandlung oder eine totale Veränderung. Das Arbeiten mit dem Patienten wird immer ein Reizwort bleiben. Zurechtweisung durch Kollegen, speziell in Funktionärskreisen, ersticken die Bemühungen der wenigen Mutigen im Keim. Wogegen konzentrierte Aufklärung der Patienten, zum Beispiel durch die Medien, automatisch gerade im Beruf des Zahntechnikers eine Entwicklung einleiten würde, die das Berufsbild und alte Zöpfe von Handwerksordnung und Innungen zu Veränderungen oder zum Umsturz zwingt. Erfolgreiche Konzepte für den Patienten würden Kontakt zum Zahntechniker verlangen. Das direkte Arbeiten des Zahntechnikers mit dem Patienten sichert die Arbeit des Behandlers am Patienten. Dagegen lässt Ignoranz und anschließende Konzentration auf ein Meistermodell die in er Regel umfangreiche Vorbereitung des Behandlers von Zahnstumpf, Knochen und Gewebe zur Makulatur werden. Das Finale, die Reproduktion, wird ohne Einbeziehung des Patienten im Labor in eine Richtung gelenkt, die international von anerkannten Zahntechnikern und Zahnärzten auf Kongressen und in Fachmagazinen als für den Patienten unakzeptable und traumatisierende Ausgangssituation vorgestellt wird. Die apokalyptischen Arbeiten lösen hierbei oft blankes Entsetzen aus, jedoch keine offene Anklage gegen ein System, welches den Zahntechniker ausschließlich einen Diener am Gipsmodell sein lässt.
| Phase 6 | Die Lösung: Veränderung! Nichts verändert sich von selbst, außer wir verändern uns. Finden wir Freiräume für individuelle Gestaltung unseres Arbeitslebens, für die Selbstentfaltung und für konstruktives Mitverantworten für das, was wir tun! Wir müssen Widersprüche aufdecken und Widersprüche herausfordern.
| Fazit | Eine Empfehlung mit „Emotion of excellence“: “Emotion of excellence“, ursprünglich drei Worte aus der Portraitfotografie, findet in allen Lebensbereichen Anwendung. „Emotion of excellence“ ist die vierte Dimension der Zahnheilkunde. Das Produkt Zahnersatz wird neu entdeckt und unter atmosphärischen Einflüssen erscheinen komplizierte Vorgänge einfach und unbeschwert. Die oft hemmende und unnötige Diskretion bei der Anfertigung von Zahnersatz löst sich entschlossen auf. Dabei ist zu bedenken: | | Beide schaden sich selbst: Der, der zuviel verspricht, und der, der zuviel erwartet. | | Verfasser Klaus Müterthies Quintessenz Zahntech 28, 10, 1052-1054(2002)
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